Mein Kampf gegen Akne

Wer hatte in der Pubertät nicht einmal mit dem ein oder anderen Pickel zu kämpfen? Die Wenigen, die hierauf mit nein antworten, können tatsächlich von Glück sprechen. Ich meine, das man bei erhöhtem Zucker- oder Fettkonsum, generell bei Lebensmittelunverträglichkeiten oder während der Erdbeerwoche die Auswirkungen auf die Haut zu spüren bekommt, ist logisch. Aber was, wenn man plötzlich auf jeglichen Zucker verzichtet, nur noch Wasser trinkt und trotzdem keinerlei Aussicht auf Besserung verspürt? Wenn man kaum mehr einen Quadratzentimeter freie Haut im Gesicht hat? Über das, was mir nach jahrelanger Homöopathie mit dutzenden Schüßlersalzen, Energetiksitzungen und Hautarztterminen wirklich und schlussendlich geholfen hat…

In diesem Blogpost möchte ich einmal für all jene sprechen, die während ihrer Pubertät in der Schule oder später noch oder erst am Arbeitsplatz mit Akne zu kämpfen hatten beziehungsweise immer noch haben. Ihr wisst, besonders Kinder können in diesem Alter ziemlich grausam sein. Auch bei mir lagen Kommentare wie „wasch dir doch endlich dein Gesicht“ oder „warum schminkst du dich so viel, bringt doch eh nichts“ jahrelang schwer im Magen. Mit der Zeit merkte ich, je schlimmer mich diese Krankheit – und zu dem wurden die Pickelchen irgendwann – belastete, desto mehr nahm sie mir mein Leben weg. Wurde ich wegen meiner Haut gehänselt, half eben Schoki. Und wenn es mehr Schoki wurde, wurden es eben auch mehr Pickel und mehr Gewicht, was den Gleichaltrigen nochmals einen Grund gab, auf mich nieder zu picken. Ein Teufelskreis entstand.

Dies war lange der Grund, weshalb ich immer seltener das Haus verließ. In einem Hallenbad ungeschminkt und nur im Bikini rumzurennen erschien mir damals als sozialer Selbstmord nachdem mich der Schularzt als übergewichtig eingestuft hatte. Mein Selbstbewusstsein war nicht-existent und als ich an einem Punkt angelangt war, an dem ich mit meinen 13 Jahren dann selbst meinen besten Freundinnen bei Treffen abgesagt habe, wenn diese in der Öffentlichkeit stattfinden sollten, da wusste ich: Ich konnte so einfach nicht weiter machen.

  1. Der erste Anlauf bei der Hautärztin

Man kennt diese Stadtärzte. Meistens auf Maschinenbetrieb, damit so viele PatientInnen wie nur möglich durchgebracht werden können. So auch bei mir. Mum und ich hatten drei Monate auf diesen Termin in Linz gewartet und alles, was wir binnen dieser 10 Minuten im sogenannten „Beratungsgespräch“ erfuhren war, dass ich entweder mit 13 mit der Pille anfangen oder extrem harte Medikamente schlucken solle, die sie allerdings nicht im Frühjahr verschreibt, da diese die Lichtempfindlichkeit ungemein steigern. Super Vorraussetzungen.

2. Homöopathie

Deshalb suchten meine Mum und ich wenig später im Frühjahr 2014 eine Homöopathin auf, die mithilfe von Schüßler-Salzen eine Mineralien-Therapie bei mir durchführte. Ich musste tagtäglich an die 30 verschiedenen Milchzucker-Präparate schlucken und versprach ihr, nur noch Wasser zu trinken und meinen Zucker- sowie meinen Nutella- (😂) Konsum hinunter zu schrauben. Vielleicht waren es die Präparate, vielleicht die Zuckerreduktion – aber nach einem halben Jahr der Therapie merkte ich minimal eine Besserung. Jedoch zu wenig effektiv bei meiner Ausprägung der Akne und ein zu teurer Spaß auf längere Sicht. Erneut war ich frustriert und wieder feierte die Akne ein Mega-Comeback, als es Winter wurde. Eine radikalere Therapie musste her.

3. Zweiter Anlauf bei einer anderen Fachärztin

Nach zahlreichen Gesprächen in ihrem Bekanntenkreis, bekam Mum eine Adresse von einer 30 Minuten entfernten Hautärztin in Enns. Nach dem Motto Schlimmer könnte es schon nicht mehr werden nahmen wir die längere Anreise in Kauf und waren überrascht, wie anders, wie ausführlich, so ein Beratungsgespräch ja doch sein kann. Die Ärztin nahm sich Zeit und verschrieb mir zwar das aggressive Medikament namens Ciscutan, aber sie machte mich auf alle Nebenwirkungen in Ruhe aufmerksam. Zur Sicherheit würde ich sogar beim nächsten Kontrolltermin eine Urin- und Blutprobe abgeben müssen.

Und so vergingen die ersten Monate mit Ciscutan (linkes Bild). Meine Lippen und die Haut an meinen Unterarmen, Fingerknöcheln und im Gesicht wurden sehr trocken. Auf diesem Weg sollten die Poren im Gesicht, Rücken und dem Dekolleté ebenfalls ausgetrocknet werden. Beim ersten Wiedersehen stellte die Ärztin allerdings fest, dass wir es mit einer derart ausgeprägten Form von Akne zu tun hatten „die normalerweise nur bei Männern zu finden ist“ (autsch, das saß schon ein wenig!), sodass sie die Dosierung auf zwei weitere Stufen anhob. Diese Anhebung ließ meine Knöchel im Winter zu Bluten anfangen und mich meinen Schal regelmäßig von Hautfetzen ausschütteln. Denn mir gingen regelrecht fingerspitzengroße Hautschuppen von den Wangen. Dieses Medikament ließ meiner Männer-Akne wirklich keine Chance.

 

 

Nach zirka 4 Monaten auf Ciscutan wurde die Dosierung langsam wieder reduziert und ich begann nun damit, meine Haut von allen Seiten ständig einzucremen und war überglücklich, dass ich meine Pickel an zwei Händen abzählen konnte. Zusätzlich habe ich während dieser Kur begonnen, wieder im Volleyballtraining zu erscheinen und versuchte, das mit der Zuckerreduktion beizubehalten, was mir auch gewichtstechnisch unglaublich gut tat. Ich nahm jedoch drastisch ab, aß wirklich viel zu wenig und versuchte, meine frischen Narben mit viel Make-Up zu überdecken. Zu dieser Zeit (Ende 2014) wog ich knapp 57kg, also ca. 10kg weniger als jetzt – bei gleicher Größe.

Es war vielleicht eine mehr oder weniger große Veränderung aus kosmetischer Sicht aber was diese Therapie mit meinem Inneren gemacht hat, werde ich nie vergessen. Plötzlich wollte ich wieder raus, ich wollte gar keinen Abend mehr Zuhause verbringen und nachholen, was ich damals alles verpasst hatte. Mein Selbstbewusstsein steigerte sich um ein Vielfaches, ja ich hatte endlich eines.

Im Dezember 2014 begann ich dann mit dem Krafttraining. Als ich bemerkte, dass dieses Rumgetue mit meinen Babyhanteln wohl nichts brachte, begann ich, richtig zu trainieren – was mich nicht nur äußerlich sondern auch innerlich immens stärker machte (Ende 2014 – Anfang 2015 – Sommer 2015).

Hätte jemand meinem 13-jährigen Ich also damals gesagt, dass es mit 19 gerne ins Fitnessstudio gehen – dort sogar noch arbeiten würde – selber Gemüse kocht und isst und obendrauf noch die Ausbildung zur Fitnesstrainerin macht, hätte es diesen Typen beinhart ausgelacht und ihn gefragt, auf was für Drogen er ist 😂😂😂.

Ich bin meiner Familie und meinen engsten Freunden so unglaublich dankbar dafür, dass sie mein verkorkstes Ich mit all meinen Eigenheiten damals wie heute einfach akzeptiert haben. So bin ich mir erst später im Klaren darüber geworden, was diese Krankheit seelisch mit meinem kleinen Ich damals angestellt hat. Manchmal ertappe ich mich auch heute noch dabei, so wie früher zu denken und mich damit selber runter zu ziehen. Ich würde nie jemanden ausschließen wollen, weil er kleiner, dicker, dünner, größer oder einfach anders ist. Ich erwische mich sogar immer wieder einmal dabei, wie ich ein Faible für schwache Außenseiter entwickle, was ich wiederum ganz gut finde. So scheiße – entschuldigt die Wortwahl – diese Zeit für mich auch gewesen sein mag, so stolz bin ich jetzt darauf, zu dem geworden zu sein, was ich heute bin und was ich alles noch erreichen möchte und hoffentlich auch werde 💪🏼.

In diesem Sinne – wenn Du es bis hierher zu Lesen geschafft hast: Falls dir jemals irgendwer auf dieser Welt das Gefühl gibt, weniger wert zu sein, dann ignoriere diese Person und suche dir Menschen in deinem Leben, die dir das Gefühl geben, Zuhause zu sein und vor denen du dein wahres Ich niemals zu verstecken brauchst. Sei einfach so wie du bist ❤️.

Bis bald,

Eure Lizz 💕

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