Athletica Nervosa – Die neue Droge: Sport

Eins der heikelsten Themen im Internet: Essstörungen. War ja klar, dass da noch was zu Magersucht kommen muss, wenn sie schonmal eine Arbeit über Magersucht geschrieben hat. Aber ist das nicht Anorexia Nervosa, was sie da meint? – Nein. Es gibt auch die Athletica Nervosa, sprich Sportmagersucht. Eine Mischung aus übertriebenen Sport, dem Überbegriff der „normalen“ Magersucht (fachsprachlich Anorexia Nervosa) und von Orthorexie, einer noch nicht ganz anerkannten Essstörung, bei der die Betroffenen (vor allem junge Mädchen und Frauen) einen Zwang entwickeln, sich nur noch von gesunden Lebensmitteln zu ernähren. Dies geht so weit, dass die erkrankten Personen kaum mehr auswärts essen gehen, da sie nicht wissen, ob in den Mahlzeiten zu viel Fett oder Kohlenhydrate stecken, geschweige denn die Kalorien zählen können. Da diese Erkrankung von FachärztInnen bis heute noch nicht als „vollwertige“ Essstörung anerkannt wird, bleiben viele Fälle unentdeckt – und den meisten Betroffenen selbst ist sie auch gar nicht bewusst. Viele ernähren sich heutzutage schließlich besonders gesund. Natürlich muss man an dieser Stelle vorsichtig mit vorschnellen Urteilen sein. Besonders auf sozialen Netzwerken. Die Thematik „Essstörungen“ wird ja zum Glück mittlerweile nicht mehr überall totgeschwiegen. Mir kommt sogar vor, dass sich fast alle weiblichen Fitnessvorbilder auf Instagram irgendwann zu einer Art von Essstörung bekennen und immer noch mit ihr zu kämpfen haben. Sowas überwindet man ja auch nicht von heute auf morgen – fraglich, ob man das generell jemals überwinden kann oder die Stimme mit der Zeit einfach nur leiser wird und in den Hintergrund rückt.

Aber zurück zur Athletica Nervosa: Sie ist zwar nicht ausschließlich geprägt von gesundem Essen aber vielmehr von exzessiven Sport und einer damit verbundenen Leistungssteigerung. Die Betroffenen tun quasi alles, um bessere Leistungen zu erbringen. Ein Tag ohne Sport? Kaum denkbar. Dabei sind gerade die „Rest Days“ so wichtig, damit sich der Körper regenerieren kann und Muskeln aufbaut. „Schlechtes“ Essen oder Alkohol kommen gar nicht mehr in Frage.

Mir persönlich kommt es so vor, dass viele Fitnessvorbilder uns einfach falsche Ideale vermitteln. Sie posen perfekt, damit man ihre Muskeln sieht. Sie posten nur das Essen, das einem „clean“ erscheint und leben ihr Leben in Luxus, stets mit einem Lächeln im Gesicht. Perfekt – aber nicht die Realität. Um so auszusehen, bedarf es natürlich an jeder Menge Sport – aber wenn’s einmal soweit ist, bekommen diese Persönlichkeiten auch oft Geld dafür, was man immerhin mitbedenken sollte…

Anders als bei Magersucht oder Orthorexie, sind bei dieser Essstörung sogar viele Männer betroffen. Weitaus mehr ausgeprägt ist bei ihnen jedoch der Adonis-Komplex, das Streben nach maximaler Definition und geringstmöglichen Körperfettanteil. Dabei wird das Trainieren nicht mehr zu einem Hobby sondern regelrecht zur Sucht. Ebenso reduziert sich die Nahrung hauptsächlich auf Nahrungsergänzungsmittel und einer Art von Diät. Das fatale daran: Sie sehen ihren Körper komplett verzerrt, ähnlich wie bei der Anorexie. Anders als bei Magersucht sehen sie sich jedoch stets als „zu schmächtig“ an, obwohl sie schon übermäßig viel an Muskelmasse besitzen.

Das heißt jetzt keineswegs, dass proteinreiche Ernährung und ein stets eingehaltener Trainingsplan deswegen sofort in einer Störung enden, um Gottes Willen! Man sollte nur  trotzdem darauf achten, dass man immer noch mit Lust trainiert, isst und nicht unrealisierbaren Körperidealen nacheifert. Dass das ICH in einem immer noch motiviert ist und kein ES Dir befiehlt, zu trainieren oder auf deine Lieblingspizza zu verzichten.

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Versteht mich hier bitte nicht falsch: Ich meine damit keinesfalls, dass konsequentes Training oder eine strikte Diätphase etwas Schlechtes ist – jedoch sehr wohl, wenn dadurch soziale Kontakte, das Familienleben, Beziehungen oder gar Eure Gesundheit darunter leiden. Es ist gut, wenn Ihr Ziele verfolgt – aber habt Geduld und kuriert Euch nach jeder Krankheit auch richtig aus, gönnt Euch zwischendurch mal etwas und wenn Ihr überhaupt keine Lust auf’s Trainieren habt, dann dürft Ihr selbstverständlich auch einmal einen Tag ausfallen lassen. Balance is the key. 

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Wenn Ihr an Euren Zielen festhält und Euch ausgewogen ernährt, schaden Euch ein gelegentliches Eis, Burger, Bier usw. nicht. Es geht nur um den Ausgleich. Dazu müsst Ihr auch nicht jedes „ungesunde“ Essen mit „Cheat-Meal“ betiteln. Habt Mut, Euch gegen den Fitnesswahn zu stellen. Seid anders, seid Inspiration für all jene, die kurz davor sind, sich selbst in all dem zu verlieren und seid stark, Euch dagegen aufzulehnen. 

 

Bis bald,

Eure Lizz 💕

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4 Gedanken zu “Athletica Nervosa – Die neue Droge: Sport

  1. goldenmelancholy schreibt:

    Sehr interessanter Blogpost! Wirklich wichtiges Thema und definitiv nicht zu schätzen. Ich als Schwester eine Betroffenen von genau dieser Erkrankung sehe darin ein großes Risiko, wenn man es als „gesundes Leben“ antut – denn am Ende des Tages ist es genau das Gegenteil. Grüße, Julia

    Gefällt 1 Person

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